top of page

Bye-Bye USA - Welcome Europe

  • metzgabriele
  • 30. Jan.
  • 9 Min. Lesezeit

Weit sind wir herumgekommen - jetzt sind wir wieder zu Hause in Europa.


Und schon der erste Tag nach unserer Ankunft war eiskalt. Es machte überhaupt keinen Spaß, MEMO vom Hafen Hamburg heim zu fahren.


MEMO war innen so kalt wie außen und wir mussten in dieser Eishöhle eine Nacht en route verbringen, weil die Strecke nicht in einem Ganzen zurückgelegt werden kann. Wir übernachteten auf einem Stellplatz in Zeil am Main, wo wir auch ein Jahr zuvor am Weg von Österreich nach Hamburg nächtigten. Toller, günstiger Platz mit allem, was ein Camper braucht. Bei Minus 4 Grad verkrochen wir uns im Bett. Willkommen im herbstlichen Europa!


MEMO im Hafen Hamburg, en route am Heimweg und daheim in Österreich

Seit wir zuhause sind, ist es kalt. Dazu gesellte sich auf weiten Strecken Dauerfrost, das heißt Tag und Nacht durchgängig Temperaturen im Minusbereich. Mein armer alter Olivenbaum! Ich habe ihn sofort eingepackt, ich hoffe er dankt mir dafür mit dem Überleben.



Als Tüpflchen am i hat uns Petrus noch mit jeder Menge Nebel beglückt :(

Ich habe in dieser Zeit null Lust entwickelt, zu bloggen. Meine gute Laune war sehr gebremst. Um es mit einem Zitat aus "Der Schuh des Manitu" zu benennen, ich war mit der Gesamtsituation unzufrieden. Ich sollte endlich mein Versprechen vom letzten Blog einlösen, über die Amish und über Lewis und Clark zu berichten.

Dann kam mir auch noch ein Weihnachtsgeschenk dazwischen


Meine Reise mit Charly
Meine Reise mit Charly

Das Buch "Meine Reise mit Charly" von John Steinbeck. Der geniale Schriftsteller, den ich schon aus meiner Gymnasialzeit kenne, berichtet über eine Dreimonats-Tour durch die USA, mit seinem Hund Charly als treuem und durchaus für Abwechslung sorgenden Pudel. Er wollte das Land in dem er lebte und dessen Menschen näher kennen lernen. Steinbecks Reise mit Charly ist eines jener Bücher, in denen ich besondere Textstellen markiere und mit Notizen versehe, weil ich nichts davon vergessen will. In Steinbecks Erzählung habe ich mich immer wieder selbst erkannt. Es gibt viele Parallelen zwischen unseren USA-Touren, obwohl seine vor 65 Jahren statt gefunden hat. Im Nachwort des Buches, verfasst von einem Burkhart Kroeber, wird eine Szene, die sich kurz nach der Eröffnung des National Steinbeck Centre in seinem Geburtsort Salinas in Kalifornien 1998, in eben diesem zugetragen hat, geschildert: Ein älteres Paar folgte einem der dargebotenen Videos, ehe die Frau zu dem Mann flüsterte: "Es ist heute noch immer genauso, findest du nicht?"

Ich staunte, denn das kann ich bestätigen. Auch ich habe die USA genau so erlebt, wie Steinbeck das Land 1962 beschrieb. Es hat sich nichts geändert, einzig die Größe der Städte mit ihren imposanten, pompösen Bauwerken. und selbstverständlich die Bevölkerungsdichte.

Ich schwelgte unentwegt in Erinnerungen an unsere wunderbare Reise durch die USA die Wärme, die wir genossen. Wir haben ein Jahr wie im Traum verbracht. So viel gesehen, so viel erlebt!

Eine Reise wie diese ist ja tatsächlich nur wenigen gegönnt.

Ich bin so unglaublich dankbar dass ich das erleben durfte! Wir haben so hart und hartnäckig darauf hingearbeitet, es war irgendwie gar nicht vorstellbar, dass wir uns tatsächlich eines Tages auf den Weg machen würden. Auch in dieser Hinsicht deckt sich unsere Erfahrung mit der von John Steinbeck, wenn er meint, die vor ihm liegende Reise kam ihm trotz intensivster Vorbereitungen so irreal vor, dass er bis zum Schluss darauf wartete, dass irgendetwas dazwischen käme, damit er nicht in dieses Ungewisse aufbrechen müsse.

Ich hätte ihn gern kennengelernt, diesen Herrn Steinbeck! In einem Punkt unterschied sich Steinbecks Reise von unserer: Er hatte "nur" seinen Pudel als Wegbegleiter. Mit diesem führte er intensive Gespräche, er bezog ihn in seine Entscheidungen über das Wann und Wohin der Weiterreise mit ein. Charly hatte klar ein Mitspracherecht. So machten Michael und ich das selbstverständlich auch. Alle Entscheidungen wurden gemeinsam gefällt. Einziger Unterschied: Zwischen Menschen kann es gut und gerne auch mal Unstimmigkeit geben. Da nehme ich Michael und mich nicht aus ;)

So manches Zitat auf Straßen, Brückengeländern und Wänden trägt zum Downcool in so mancher Situation bei ;)

ABER:

Wir hatten trotz des Zustandes ständigen Zusammenlebens auf engstem Raum viel Spaß. Wir verbrachten so manchen Abend mit Gesellschaftsspielen (die im Übrigen immer Michael gewann!). Wir verbrachten so manchen Abend in Stille, weil wir in Bücher vertieft waren, über deren Inhalte wir uns im Anschluss unterhielten. Ich kaufte mir jedes Buch über die örtliche Geschichte, die ich in die Finger bekam. und ich genoss es wahnsinnig, zusätzlich zur sachlichen Info aus den Büchern, mein Englisch aufzubessern und neu erlerntes Vokabular ins nächste persönliche Gespräch mit Einheimischen einzubauen.

Wir durchbrachen die Ruhe oftmals mit Sagern, die uns ausrutschten und zu schallendem Lachen brachten. Kostprobe gefällig?

"Du hast schon mal besser gekocht." Michael nachdem ich Omelette aus flüssigem Ei aus dem Tetrapack gezaubert hatte.

"Ich lebe viel von der Unvernunft. Das macht mich glücklich." Michael beim Kartoffelchips-Abendessen, von dem er gern mehr gehabt hätte.

"Wenn`s net gemütlich ist, .... (Nachdenkpause) dann ist es nicht gemütlich." Michael, der sich gezwungen sieht, sich wegen eines Toilettengangs zu erheben.

"Es ist äußerst ungewöhnlich, dass man wo ist und nicht weiß, wo man ist." Michael im Rockstone Statepark, wo er die Orientierung verloren hatte. "Welcher Tag ist heute?" Michael und meine Wenigkeit laufend und täglich.

"Die Amerikaner imprägnieren Firewood extra, damit es nicht brennt, wegen der Waldbrände." Ich in den Rauch nicht brennen wollenden Gehölzes blickend.

"Michi lernt schreiben, Gabi lernt schrauben." Ich, als ich merke, dass Michael für seine Facebook-Einträge einige Formulierungen aus meinem Blog übernimmt, während ich mich anlässlich unseres Getriebeschadens, der im Blog Wenn einer eine Reise tut! Oder: Shit Happens beschrieben ist, als gelehrige KFZ-Technikschülerin bewies ;)

"Ohne Wurst, kannst das Bier nicht essen." Ich vertrage keine fette Wurst ohne ein entsprechendes Getränk dazu.

"Sie macht den Blog, er macht die Wäsche." Ich voll Stolz über die neue Rollenverteilung.

"Mir steht die Stirn auf der Schweiß." Ich bei 38° Celsius - das war für meine rhetorischen Fähigkeiten eindeutig zu heiß :D

"In dem Kaffeehaus in Graz, in der Straße ... wie heißt sie noch schnell? Irgendwas mit Pferden,. Da gibt es nur ein ganz schreckliches Cola!" Michael ringt nach den richtigen Eigennamen in Graz und meint die Reiterkaserne und das Tribeka :D


Wieder zu Hause fehlt mir und Michael einiges

Zum Beispiel die legendäre Freundlichkeit der (meisten) US-Bürgerinnen und -bürger. Ob Kassierin im Supermarkt, ob Ranger oder Rangerin im National- oder Statepark, ob Officer im Visitor Center - alle begrüßen dich in einem überschwänglich freundlichen Ton mit "Hello, good morning/afternoon/evening, how are you? How can I help you?", Es wird zwar oft angenommen, dass es sich dabei nur um eine Floskel, die keine Antwort erfordert, handelt. ABER der freundliche Ton mit dem breiten Lächeln löst unweigerlich Freude aus und macht aus dir eine ebenso freundliche Person!

Um es einfach zu sagen - es macht etwas mit dir und deinem Tag, wenn du insbesondere nach deinem Befinden gefragt wirst!

Manch USA-Reisende werden nun sagen, sie können mit dieser gespielten Freundlichkeit nichts anfangen. Ich sage ihnen: Gebt die Frage "How are YOU?" an die Menschen zurück! Ihr werdet staunen welch Eisbrecher diese Worte sind! Mit Sicherheit wirst du mal groß angeguckt, dann wird kurz nachgedacht und dann erhältst du eine Antwort aus einem strahlenden Gesicht, das dir nochmals Freude bereitet. Und wenn du nicht eine von jenen Personen bist, die lieber ihre Ruhe haben, dann bietet dieses Fragespiel die Chance auf ein wunderbares Gespräch, das deinen Tag rettet :)

Wir haben das immer voll und ganz ausgekostet. Es fehlt mir hier in meiner Heimat :( Einkaufen und Fragen stellen macht hier weniger Spaß.

Was uns sehr fehlt, ist die grenzenlose Weite des Landes und dessen landschaftliche Vielfalt und Schönheit! Hinter jeder Kurve eröffnet sich eine neue Welt, die dich zum Staunen bringt. Ausschüttung von Glückshormonen mit Gänsehaut und Tränen in den Augen inklusive!



Grenzenlos ist überdies wörtlich zu nehmen!

Während wir in unserem schönen geeinten Europa, das ich wirklich sehr liebe, immer wieder damit rechnen müssen, auf Grenzkontrollen und damit verbundene Verkehrsstaus zu stoßen, kannst du in den USA die Grenzen der einzelnen Bundesstaaten immer ohne Bedenken überqueren. Du wirst sie sogar unbemerkt passieren, weil du gar nicht checkst, dass du in einen anderen Bundesstaat wechselst. Es sei denn, du übersiehst nicht eine der großen Tafeln, die dich herzlich im Bundesstaat xy willkommen heißen.



Es vermittelt ein unglaubliches Gefühl der Freiheit, das wir nur aus den legendären Western-Movies kennen. Du bist mittendrin in einer riesengroßen Landkarte, die wie eine Schatzkarte anmutet, weil du überall auf wahre Schätze in Form von überwältigenden Landschaften und beeindruckenden Naturschauspielen stößt. Und nichts und niemand hält dich davon ab, innezuhalten und sich der Bewunderung hinzugeben. und zu genießen. Jeder Platz in diesem faszinierenden Staatenbündnis hat in mir das Gefühl der Liebe auf den ersten Blick ausgelöst :)

Jeden Tag in den Tag zu leben und einfach loszufahren, wenn dir danach ist - das ist großartig und vermissen wir am meisten! (Michael und Gabriele unisono)

Ich vermisse es, irgendwo in der Weite, die Sonne und Wärme genießend, zu schreiben. Wenn ich jemals noch ein Buch schreibe, dann kann dies nur unter diesen oder ähnlichen Rahmenbedingungen geschehen :)


Ich vermisse das einfache Leben im MEMO ...


Und wir vermissen unsere gesunde Hautfarbe :D

Im White Sands Statepark in New Mexico
Im White Sands Statepark in New Mexico

Und wir vermissen die amerikanisch Kultur des Sich-Anstellens. Während es bei uns quasi als sportlich gilt, sich in einer Reihe Wartender - auf was und wen auch immer - so weit wie möglich vorzuschwindeln bzw. sogar zu drängen, wissen in den USA bereits kleine Kinder bescheid über die Praxis des guten Benehmens, das da heißt "vordrängen ist nicht!". "I think this is the line", höre ich noch heute ein etwa 5-jähriges Kind zu seiner Mutter sagen, die ein wenig ratlos auf der Suche nach der Schlange der sich Anstellenden um sich blickt, während das Kind sich schon auf den Weg zum Ende der Schlange macht. Ich finde diese Praxis unglaublich menschenfreundlich und sehr nachahmenswert. Kaum ein USA-Bürger bzw. eine -Bürgerin wird sich der Versuchung hingeben. sich vorzudrängen. Wenn es vorkommt, dann handelt es sich vorzugsweise um TouristInnen.

Sehr menschenfreundlich und behindertengerecht ist auch so manche Ampelschaltung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die ich für sehr nachahmenswert halte:




Wir werden wohl, wo immer wir in Zukunft hinkommen, an die schönen Campgrounds inmitten der Natur, ausgestattet mit Feuerstelle, Grillrost und Sitzgarnitur, denken.



Jetzt aber:

Was uns NICHT fehlt!


Das unglaublich dünne WC-Papier vermissen wir exakt überhaupt nicht! Es löst sich bereits bei dem Gedanken, dass es feucht werden könnte auf! Es braucht besseres WC-Papier in diesem Land - oder Bidets!

Es mangelt außerdem sehr an Diskretion am Stillen Örtchen. In vielen amerikanischen Filmen bekommst du ein Gefühl für das, was ich meine: Feind oder Freund durchsuchen die Restrooms, also das WC, nach einem anderen Feind oder Freund, indem sie einen Blick unter oder auch über die WC-Türen werfen, die niemals bis zum Boden oder zum Plafond reichen. So gibt es ausreichend Einblick ins Geschehen in der WC-Kabine. Du siehst zumindest alles unterhalb der Knie. Du kannst du sehr gut Schuhwerk und manchmal ein bisschen mehr deines Sitznachbarn bzw. deiner Sitznachbarin bewundern. Ich habe mich mehrmals dabei ertappt, an ebendiesem Schuhwerk auf die Person und Persönlichkeit des Trägers oder der Trägerin zu schließen :) Nicht alle Europäerinnen und deren männliche und sonstige diversen Landsleute kommen mit dieser Freizügigkeit zurecht :D


Die örtliche Restaurant- und Kaffeehauskultur! Es gibt nichts, das mit unseren Kaffee-Konditoreien vergleichbar wäre, wo du bei Kaffee und einer reichen Auswahl an Kuchen und sonstigem Imbiss verweilen kannst, bis du merkst, dass du ganz gewaltig die Zeit übersehen hast :D

Du kannst nach eingenommener Restaurant-Mahlzeit nicht gemütlich sitzen bleiben, das eine oder andere Getränk nehmen und dich fröhlich mit deinen TischpartnerInnen austauschen :(

Die unzähligen zu Tode gefahrenen Tiere am Straßenrand.

Waschbären, Gürteltiere, Rehe - sie bleiben alle einfach liegen, weil davon ausgegangen wird, dass sie restlos aufgehen im Kreislauf der Natur und von Aasgeiern und sonstigem Getier "entsorgt" werden. Funktioniert nur nicht so richtig oder einfach viel zu langsam.

Der nahezu allgegenwärtige Duft nach Cannabis! Faszinierend, wie ausgeprägt die Kultur des Marihuana-Rauchens in weiten Teilen der USA ist!

Was uns am wenigsten fehlt, sind laufende LKW- und Wohnmobilmotoren auf Parkplätzen und gelegentlich sogar Campgrounds, um die Klimaanlagen in Betrieb zu halten. Ohne Klimaanlagen scheint die Welt stehen zu bleiben. Sie werden sowohl zu Kühl- als auch Heizzwecken eingesetzt - also quasi immer. Männer sitzen am Walmart- und sonstigen Kaufhausparkplätzen bei laufenden Motoren und warten auf ihre Frauen, die die Einkäufe tätigen. Umwelt und Klima lassen grüßen!


Die Liste ist wahrscheinlich erweiterbar. Aber solche Reisen haben etwas ganz Besonderes an sich:

Es werden insbesondere die schönen Seiten verinnerlicht :)

Deshalb an dieser Stelle noch ein paar Lieblingsmomente:

Fauna, Flora, Fröhlichkeit sowie Feedback :D


Auch wenn John Steinbeck mich vorerst davon abhielt, meinen Blog weiter zu führen, ist es letztendlich er, der mich begeistert und inspiriert hat, endlich auch wieder über unsere Reise weiter zu berichten :) Gut gemacht, John! :D

Er trägt aber auch die Schuld daran, dass ich mein Versprechen, über die Amish und eine Expedition von Lewis und Clark, die die Aufschließung des Nordens der USA im 19. Jahrhundert zum Ziel hatte, heute nicht einhalte! Es reicht für heute - die Amish und Lewis und Clark können warten ;)

Du möchtest informiert werden, wann mein nächster Blog online ist?

Dann melde dich hier zum Newsmail an:




2 Kommentare


Gast
31. Jan.

Danke Gabriele für den schönen Blog!

Kleiner Nachtrag von meiner Seite, was mir beim Lesen des Blogs noch eingefallen ist:

Mir gehen die Unmengen von Lastenzügen, die mit lautem Getöse und Gehupe durch das Land, durch die Städte und Dörfer ziehen, dabei Mensch, Hund und Katz’ jede Nacht einige Male aus dem Schlaf holen, ab! Man(n) wird das gewohnt ….. und ich werde das „Amerikanische“ Horn sowie das Dröhnen der Dieselloks, von denen meist drei bis vier Stück, den mindestens 100 angehängten Waggons vorgespannt sind, wohl nie mehr vergessen …. im positiven, als auch negativen Sinn! Gerne denke ich an die Zeit zurück, als im mich schon wieder wegen des Lärms in der Nacht gestört fühlte, jetzt fehlt es!…


Gefällt mir

Gast
30. Jan.

Hallo Ihr beiden! Wieder sehr schön gemacht! Vielleicht ist es manchmal ja nicht schlecht, mit etwas zeitlichem Abstand zu resümmieren. Auch für mich bedeutet Steinbeck seit fünfzig Jahren einen Lichtblick und Freundschaft mit den USA. LG, Peer

Gefällt mir
41684333_10216330876652043_8464512557590249472_n.jpeg

Wohin gehts als Nächstes - sei dabei!

Erfahre als Erstes, wenn es Neuigkeiten auf unserem Blog gibt. Wohin die nächste Reise geht und welche tolle Menschen wir dabei kennen lernen.

Du bist angemeldet.

bottom of page